· Fachbeitrag · Therapie
Zehn Empfehlungen der DGRh zur Versorgung von Rheuma-Patienten
„Klug entscheiden“ ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die sich gegen Über- und Unterversorgung wendet. Zwölf Fachgesellschaften nehmen an der Initiative teil. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat im Rahmen dieser Kampagne je fünf Positiv- bzw. Negativempfehlungen für die Versorgung von Rheuma-Patienten veröffentlicht:
Positivempfehlungen (zu selten angewendet):
- Nach Gichtanfall soll eine harnsäuresenkende Therapie nicht ohne niedrig-dosierten Colchicin-Schutz begonnen werden. Alternativen für die etwa sechsmonatige Anfallsprophylaxe sind NSAR oder Glukokortikoide.
- Jede unklare akute Gelenkschwellung soll unverzüglich durch Gelenkpunktion/Punktatuntersuchung abgeklärt werden.
- Bei konkretem klinischen Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis („A. temporalis“) soll unverzüglich mit einer Glukokortikoid-Therapie begonnen werden; die anstehende Diagnostik soll den Therapiebeginn nicht verzögern.
- Bei allen Patienten unter immunsuppressiver Therapie sollen regelmäßig der Impfstatus geprüft und Impfungen gemäß den Empfehlungen der STIKO aufgefrischt werden.
- Das kardiovaskuläre Risikoprofil von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen soll bestimmt und ggf. reduziert werden, durch Lifestyle- und bei Bedarf medikamentösen Interventionen.
Negativempfehlungen (zu häufig angewendet):
- Bei nichtspezifischem Kreuzschmerz unter sechs Wochen ohne „Red Flags“ (Warnhinweise z.B. auf eine Fraktur, einen Tumor, eine Infektion oder eine Radikulopathie) soll eine Bildgebung nicht erfolgen.
- Ohne typische Anamnese und Klinik soll eine Borrelien-Serologie nicht bestimmt werden. Aufgrund der hohen Durchseuchung in der Bevölkerung besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit von Fehldiagnosen.
- Eine längerfristige Glukokortikoidtherapie in einer Dosis von mehr als 5mg/d Prednisonäquivalent soll nicht durchgeführt werden. Das Risiko für eine schwere Infektion sei bei einer Tagesdosis > 14 mg/d Prednison im Vergleich zu < 7,5 mg/d fast verfünffacht.
- Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung soll als Diagnose nicht verworfen werden, nur weil die Laborwerte (Entzündungsmarker, Serologie) normal sind.
- Eine Behandlung bei pathologischen Laborparametern (z. B. RF positiv, ANA positiv) ohne passende Klinik soll nicht erfolgen. Autoantikörper können in niedriger Prävalenz auch bei Gesunden detektierbar sein.
Quelle
- Fiehn C et al.: Klug entscheiden...in der Rheumtologie. Dtsch Arztebl 2016; 113(24): A-1154/B-969/C-953
Volltext
Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 13 | ID 44167097